Geschichte der Theologischen Fakultät Basel

GRÜNDUNGSZEIT

Die Theologische Fakultät der Universität Basel ist mit der Entstehungsgeschichte der Universität Basel auf besondere Weise verbunden. Bereits während des Basler Konzils (1431-49) bestand seit dem Jahre 1432 eine Konzilsuniversität, deren tragende Säule die theologische Ausbildung war, und damit die Vorläuferuniversität der heutigen Universität Basel darstellte. Bei der Eröffnung der neugegründeten Universität im Jahre 1460 verzeichnete die Theologische Fakultät die meisten Studierenden. Das Bild unten ist ein Zeugnis aus der Gründungszeit der Universität Basel. Es zeigt die Gründungsfeier der Universität Basel am 4. April 1460 im Basler Münster: Bischof Johannes von Venningen ernennt Georg von Andlau (vorne rechts) zum ersten Rektor.

 

 

Gründungsfeier Universität Basel

REFORMATIONSZEIT

Als die Existenz der Universität in den Umbrüchen der Reformationszeit gefährdet schien, setzte sich der Basler Reformator und Humanist Johannes Oekolampad, der als Professor an der Theologischen Fakultät lehrte, für ein Weiterbestehen der Universität ein und trug damit wesentlich zu ihrer weiteren positiven Entwicklung bei. Oekolampad prägte den Geist der Theologischen Fakultät Basel nicht allein als Reformator, Humanist und Philologe, sondern auch durch seine aktive und geschätzte Teilnahme an den religiösen und theologischen Kontroversen seiner Zeit, in welchen er sich nicht selten für den Versuch einer Vermittlung der divergierenden reformatorischen Positionen einzusetzen versuchte. In der Folgezeit hielt es das durch die Reformation evangelisch-reformiert geprägte Basel für selbstverständlich, dass auch die Theologische Fakultät in der reformierten Tradition verankert war.

 

 

Johannes Oekolampad

NEUZEIT

In ihrer weiteren Entwicklung, namentlich in der späteren Neuzeit, profilierte sich die Theologische Fakultät Basel dadurch, dass sie sich im Namen eines humanistischen Wissenschaftsethos für einen theologischen Pluralismus reformierter Prägung eingesetzt hat und dies auch in ihrer Berufungspolitik umzusetzen versuchte. Immer wieder hat die Theologische Fakultät auch Persönlichkeiten berufen, die nicht den wissenschaftlichen Mainstream ihres Faches repräsentierten und solche, die an anderen Universitäten aus wissenschaftlichen und/oder politische Gründen unerwünscht waren.

Einige der profilierten Persönlichkeiten aus der Geschichte der Fakultät seien dazu im Folgenden näher porträtiert:

Im Jahre 1822 konnte Wilhelm Martin Leberecht de Wette, der aus politischen Gründen vom preussischen König von seinem Lehrstuhl an der Berliner Universität entfernt wurde, für eine Professur in Basel gewonnen werden. Er setzte sich für eine kritische Erforschung der christlichen Traditionsbildung ein und stand der Universität Basel insgesamt fünfmal als Rektor vor. Geprägt von Johann Gottfried Herder und Jakob Friedrich Fries, trat er sowohl als bedeutender historisch-kritischer Bibelwissenschaftler, als auch als Systematiker und religiöser Schriftsteller in Erscheinung. Anfänglich von pietistischen Kreisen als Liberaler angefeindet, wurde Leberecht de Wette später akzeptiert und war mit seiner vermittelnden Position eine charakteristische und über die Grenzen hinaus wirksame Persönlichkeit Basels.

Franz Overbeck, der 1870 auf eine Professur für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte berufen wurde und der mit Friedrich Nietzsche eng befreundet war, trat für eine historisch-kulturwissenschaftliche Interpretation des Christentums ein. 1873 legte Overbeck sein wichtigstes Werk „Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie“ vor. Darin behauptete er, dass das „historische“ Christentum, das von den Kirchenvätern begründet wurde, schon nichts mehr mit der ursprünglichen Idee Christi zu tun habe und auch nicht haben kann. Das Urchristentum habe sich im Gegensatz zu jeder Art von Geschichte, Kultur und Wissenschaft befunden. Overbeck kritisiert sowohl die konservative („apologetische“) Theologie, die dogmatisch auf Glaubenssätzen beruht, als auch die „liberale“ Theologie, die darum bemüht war, Glauben und Wissen zu vermitteln. Beide verfehlen nach Overbeck das Wesen des Christentums, das jede Art von Wissen ausschliesse.

Von 1888 an lehrte Bernhard Duhm in Basel, der als einer der einflussreichsten Alttestamentler seiner Zeit gelten kann. Duhm war ein Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule. Wegweisend waren seine Beiträge zur Prophetenforschung. Unter Anwendung der religionsgeschichtlichen Methodik versuchte Duhm die Entwicklungsgeschichte der israelitischen Religion zu rekonstruieren. Seine Entdeckung der Gottesknechtlieder Jesaja 42,1-4.(7); 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12 als einheitlicher eigenständiger literarischer Komplex innerhalb des zweiten Teils des Jesajabuches (Kapitel 40 bis 55, Deuterojesaja) und die von ihm 1892 vorgeschlagene Zuschreibung der Jesaia-Kapitel 56 bis 66 an Tritojesaja, einen selbstständigen Propheten in frühnachexilischer Zeit, waren epochemachend. Forschungsgeschichtlich relevant war auch Duhms Hinweis auf die verschiedenen literarischen Schichten im Jeremiabuch.

 

 

Wilhelm Martin Leberecht de Wette
Franz Overbeck
Bernhard Duhm

Karl Ludwig Schmidt, der ab 1935 als Professor für neutestamentliche Theologie an der Universität Basel wirkte, übernahm, neben seiner Forschungs-, Lehr- und Vortragstätigkeit, im Jahr 1945 auch die Herausgeberschaft der neu gegründeten "Theologischen Zeitschrift". Schmidts grösstes fachwissenschaftliches Verdienst ist seine Mitarbeit bei der Begründung der Formgeschichtlichen Methode innerhalb der neutestamentlichen Exegese. Etwa gleichzeitig mit Martin Dibelius (1883–1947) entwickelte er in seiner Habilitation die These, dass die synoptischen Evangelien aus kleinen "Einzelperikopen" bestünden, die von den Evangelisten zusammengesetzt worden seien. Die Untersuchung von Form, Gattung und "Sitz im Leben" dieser Texteinheiten wurde zu einem wichtigen Forschungsvorhaben. Schmidt erkannte, dass der Evangelist Matthäus die Texte seiner Vorlagen unter theologischen Gesichtspunkten gruppierte, und wurde damit zu einem Vorreiter der Redaktionsgeschichte. Weiter untersuchte Schmidt das Selbstverständnis der urchristlichen Gemeinde und konnte darin das Bewusstsein um die Zusammengehörigkeit der Kirche mit dem alttestamentlichen Gottesvolk herausstellen. Am 14. Januar 1933 führte er mit dem jüdischen Philosophen Martin Buber im Jüdischen Lehrhaus in Stuttgart ein öffentliches Gespräch, und trieb auf diese Weise die nach 1945 wieder neu aufgenommenen christlich-jüdischen Dialoge entscheidend voran.

Als Karl Barth im Jahre 1935 vom nationalsozialistischen Regime in Deutschland die Lehrerlaubnis entzogen wurde, kehrte er als Professor in seine Geburtsstadt Basel zurück. Seine Theologie wandte sich kritisch gegen die Kulturtheologie seiner Lehrer im ausgehenden 19. Jahrhundert. Mit seiner christozentrischen Theologie forderte er eine theologische Konzentration und wehrte sich gegen die religiöse und kulturelle Domestizierung Gottes. Seine Theologie hat im 20. Jahrhundert eine weltweite Wirkung erzielt und bewog, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, viele Personen aus dem  Ausland, in Basel Theologie zu studieren. Auch heute ist die Fakultät um das kritische und konstruktive Gespräch mit der Theologie Karl Barths bemüht. Ihr besonderes Anliegen besteht darin, die verschiedenen Auslegungstraditionen der Theologie Barths miteinander zu konfrontieren und weiterzubringen. Dazu besteht zwischen der Universität Basel und der Karl-Barth-Stiftung eine institutionalisierte Zusammenarbeit im Rahmen des Karl Barth-Zentrums für reformierte Theologie.

 

 

Karl Barth
Karl Ludwig Schmidt

Oscar Cullmann war 1938-72 Professor für Alte Kirchengeschichte und Neues Testament an der Theologischen Fakultät der Universität Basel und 1968 deren Rektor. Seine Forschungsschwerpunkte bildeten das Judenchristentum, die Christologie, der urchristliche Gottesdienst und die Tradition und Heilsgeschichte. Cullmann wirkte als Vermittler zwischen verschiedenen Sprachkulturen, theologischen Konzeptionen und Konfessionen. Er zählt zu den wichtigsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts und hat auf Einladung Papst Johannes XXIII. als offiziellen Beobachter beim 2. Vatikan. Konzil wichtige ökumenische Impulse setzen können. Der umfangreiche Nachlass von Oscar Cullmann, der als ein "Vater des Ökumenismus" in Ehren steht, wird von der Universitätsbibliothek Basel verwaltet.

Fritz Buri hielt 1952 seine Antrittsvorlesung an der Universität Basel. Gleichzeitig hatte er von 1957 bis 1968 eine Stelle als Pfarrer am Basler Münster inne und wurde schließlich 1968 als Ordinarius (ad personam) der Universität Basel aufgenommen. Fritz Buris Theologie ist wesentlich durch die Auseinandersetzung mit Albert Schweitzer und Karl Jaspers geprägt. Aus dem gleichen Kanton wie Karl Barth stammend, kreuzten sich die Lebenswege der beiden unterschiedlichen Theologen an der Universität Basel. Hier hat ihn Karl Barth zum Verfassen einer eigenen Dogmatik angeregt. Wie der Titel seiner Dogmatik "Dogmatik als Selbstverständnis des christlichen Glaubens" zum Ausdruck bringt, ist es Buris Anliegen, die überlieferten Glaubensaussagen im Horizont des menschlichen Selbstverständnisses zu interpretieren. Besonderes Gewicht hat in Buris Theologie der Begriff der Verantwortung des Glaubenden erhalten. Die Aufsatzsammlung "Zur Theologie der Verantwortung" gibt diesbezüglich einen Einblick. Der Nachlass von Fritz Buri wird von der Universitätsbibliothek Basel gehütet.

 

 

Oscar Cullmann
Fritz Buri

Weitere Informationen:         https://unigeschichte.unibas.ch

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